Mit Weihrauch gegen MS

Im Kampf gegen Multiple Sklerose muss es nicht immer ein gravierender Eingriff ins Immunsystem sein: Manche Forscher wollen den Erkrankten mit ungewöhnlichen Ansätzen helfen – etwa mit Weihrauch oder Fettsäuren. Und es gibt erste Erfolge.

Von Thomas Müller

BOSTON. In der Therapie von Patienten mit multipler Sklerose (MS) gibt es mehrere alternative Ansätze. So testet eine deutsche Arbeitsgruppe am Institut für Neuroimmunologie und Klinische Multiple-Sklerose-Forschung (INIMS) in Hamburg einen Weihrauchextrakt gegen MS.

Die Idee dahinter: Im Weihrauch enthaltene Boswelliasäuren haben einen antientzündlichen Effekt, indem sie die Leukotrienwirkung unterdrücken.

Da sich viele MS-Patienten auch natürliche Therapien wünschten, habe man ein Studienprogramm dazu ins Leben gerufen, sagte Klarissa Hanja Stürner vom INIMS bei der Präsentation erster Ergebnisse auf dem Kongress der europäischen und amerikanischen MS-Gesellschaften in Boston.

Das Team um Stürner verwendete einen standardisierten Weihrauchextrakt in einer Phase-IIa-Studie bei 37 Patienten mit schubförmiger MS; die Betroffenen waren im Median seit drei Jahren erkrankt.

Während der acht Monate dauernden Therapie wurde die Dosis des Extrakts in den ersten beiden Monaten bis maximal 4,8 Gramm hochdosiert oder bis limitierende Nebenwirkungen auftraten.

Über 80 Prozent der Patienten vertrugen ohne größere Probleme die Maximaldosis, zwei brachen wegen Nebenwirkungen ab und drei wechselten auf eine Standardtherapie, nachdem erneut Schübe bei ihnen aufgetreten waren.

Nach Weihrauchtherapie: Zwei Drittel weniger Läsionen

Bislang ließen sich Daten von 25 Patienten auswerten, und die sind durchaus überraschend: So war die Zahl neuer Gadolinium-anreichernder Läsionen in den letzten drei Therapiemonaten um knapp zwei Drittel geringer als in den drei Monaten vor Therapiebeginn, die Zahl neuer T2-Läsionen hatte sich um knapp 60 Prozent reduziert, und die jährliche Schubrate war von 0,94 auf 0,32 zurückgegangen.

Als Nebenwirkungen traten vor allem Magen-Darm-Probleme auf. Die Ergebnisse erwiesen sich zwar alle als statistisch signifikant, aber es fehlte eine Placebo-Kontrollgruppe. Die Resultate, so Stürner, sollten jedoch genug Gründe für eine größere kontrollierte Studie liefern.

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Die hier beschriebene Studie (Artikel von www.aerztezeitung.de) läuft noch. Bei dem Artikel handelt es sich um eine Zwischenauswertung. Sobald die Studie publiziert wird, werden wir die Informationen aktualisieren.
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http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/multiple_sklerose/article/874146/ungewoehnliche-ansaetze-weihrauch-ms.html