Multiple Sklerose

Multiple Sklerose

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des Nervensystems, in deren Verlauf Nervenstrukturen zerstört werden (Entmarkungserkrankung). Je nachdem, an welchen Stellen das Nervensystem betroffen ist, können unterschiedlichste Symptome auftreten, wie Sehstörungen, Schmerzen und/oder Lähmungen. Frauen erkranken etwa doppelt so häufig an Multipler Sklerose wie Männer. Die Erkrankung ist nicht heilbar, ihr Verlauf und die Symptome lassen sich aber mit Medikamenten und zusätzlichen Behandlungsmaßnahmen günstig beeinflussen.

(ICD10-Code: G 35)

Symptome

Als erste MS-Anzeichen treten bei vielen Patienten Gefühlsstörungen ein: Arme oder Beine fühlen sich taub an, oder es kribbelt unangenehm auf der Haut. Jeder fünfte Patient fühlt sich müder als sonst und ist schneller erschöpft als gewöhnlich, fühlt sich unsicher beim Gehen und Stehen oder leidet unter Kraftlosigkeit, vor allem in den Armen. Zusätzlich kann es zu Sehstörungen an einem Auge und Problemen beim Stuhlgang oder der Blasenentleerung kommen. Manchmal geht der Krankheitsbeginn mit nur einem Symptom einher, es können aber auch mehrere Symptome gleichzeitig auftreten.

Im Verlauf einer MS-Erkrankung haben mehr als die Hälfte der Patienten Gang- und Gleichgewichtsstörungen oder Spastiken (Muskelverkrampfungen), sie sind häufig sehr erschöpft (Fatigue), haben ein Schwächegefühl in den Armen oder Beinen oder können ihre Blase und den Darm nicht richtig entleeren. Des Weiteren treten Unsicherheiten bei Ziel- und Zeigebewegungen, psychische Störungen (wie Depressionen), Sprechstörungen und kognitive Störungen (wie Konzentrationsstörungen Männer können Erektionsstörungen bekommen, Frauen verlieren die Lust am Sex. Dreiviertel der MS-Patienten haben Sehstörungen auf einem Auge, manche sehen alles doppelt. Wie viele Beschwerden wann auftreten kann bei jedem Betroffenen ganz unterschiedlich ausfallen.

Wie entsteht eine Multiple Sklerose?

Die Ätiologie (Ursache) der MS ist noch nicht geklärt. Hinsichtlich der Pathogenese (Entstehung) existieren zahlreiche Theorien. Bisherige Erkenntnisse deuten auf eine multifaktorielle Krankheitsentstehung hin. Dies bedeutet, dass vermutlich genetische Faktoren und Umwelteinflüssen einen autoimmunen Prozess auslösen. Die Abwehrzellen (Immunzellen) des Körpers, die normalerweise fremde Eindringlinge wie Viren oder Bakterien unschädlich machen, richten sich gegen die Hüllen der Nervenfasern (Myelinscheiden) und zerstören sie (Demyelinisierung). Auch die Nervenfasern und Nervenzellen selbst werden geschädigt, so dass Nervensignale nicht mehr richtig weitergeleitet werden können. In Folge dessen kommt es zu Nervenausfällen, die sich auf unterschiedlichste Weise äußern, da die Entzündungen in allen Bereichen des ZNS auftreten können.

Häufigkeit

Multiple Sklerose ist die häufigste chronisch entzündliche Erkrankung des Nervensystems in Europa und von erheblicher sozialmedizinischer Bedeutung. Sie beginnt meist im frühen Erwachsenenalter zwischen 20 und 40 Jahren. In Deutschland leben laut Hochrechnungen etwa 130.000 Menschen mit Multipler Sklerose. Frauen erkranken ungefähr doppelt so häufig an MS wie Männer.

 

Verlauf – was ist ein MS-Schub?

Die multiple Sklerose hat unterschiedliche Verlaufsformen. Wichtig für das Verständnis der Erkrankung und der Verlaufsformen ist der Begriff des Schubes. Ein Schub ist definiert als das Auftreten neuer oder das Widerauftreten bereits bekannter klinischer Symptome, die länger als 24 Stunden anhalten und denen eine entzündliche Schädigung des Nervensystems zugrunde liegt. Grundsätzlich unterscheidet man 3 Verlaufsformen:

  • Schubförmig wiederkehrende multiple Sklerose (RR-MS): Bei über 80 Prozent der Patienten beginnt die MS mit einem schubförmigen Verlauf. Dabei kommt es im Verlauf weniger Tage zu plötzlichen Beschwerden. Diese halten mehrere Tage bis Wochen an und bilden sich anschließend wieder (meist vollständig) zurück. Je länger die Symptome bestehen, desto wahrscheinlicher bleiben jedoch Restschäden zurück. Zwischen zwei Schüben liegen durchschnittlich ein halbes bis drei Jahre, in seltenen Fällen mehr.
  • Sekundär chronisch fortschreitende (progrediente) multiple Sklerose (SP-MS): Etwa die Hälfte der Fälle RR- MS geht nach 10-15 Jahren in die SP-MS über. Dabei verringert sich die Anzahl auftretender Schübe im Verlauf der Erkrankung, bis neue Schübe schließlich ganz ausbleiben. Die durch die multiple Sklerose hervorgerufene Behinderung schreitet jedoch stetig fort.
  • Primär chronisch fortschreitende multiple Sklerose (PP-MS): Diese Form der MS beginnt nicht mit Schüben. Der Verlauf der Beschwerden beziehungsweise Behinderungen ist von Anfang an schleichend, aber stetig fortschreitend. Akute MS-Schübe treten meist nicht auf.

Prävention und Linderung bei MS 

Allgemein gilt, dass eine frühzeitige und angemessene Therapie eine multiple Sklerose in ihrem Verlauf günstig beeinflussen kann. Daher ist es wichtig, die multiple Sklerose frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Eine vollständige Heilung der Erkrankung ist derzeit jedoch nicht möglich.

Ziel aller therapeutischen Maßnahmen ist es, die Unabhängigkeit des Patienten im Alltag zu erhalten und die beste erreichbare Lebensqualität zu gewährleisten. Die derzeitigen therapeutischen Möglichkeiten lassen sich unterteilen in:

  • Schubtherapie – Behandlung des akuten Schubes (Kortison, Plasmapherese)
  • immunmodulierende Langzeittherapie um neurologische Defizite zu verhindern bzw. zu verlangsamen
  • Behandlung symptomatischer Beschwerden.

Im Verlauf der MS-Erkrankung können viele Symptome die Lebensqualität beeinträchtigen. Besonders häufig und einschränkend sind Gehbehinderungen, Spastik, Schmerzen, Sprech- und Schluckstörungen, Blasenfunktionsstörungen, chronische Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue-Syndrom) und Depressionen. Zur Behandlung dieser Symptome eignen sich physiotherapeutische, logopädische, ergotherapeutische, psychotherapeutische, supportive und medikamentöse Maßnahmen. Wichtig ist es auch, Komplikationen wie Osteoporose, Lungenentzündungen, Thrombosen, Gelenkversteifungen und Harnwegsinfektionen vorzubeugen.

Fazit:

Die Multiple Sklerose ist eine chronische Erkrankung, die aufgrund ihrer vielfältigen Symptome die Lebensqualität der Patienten massiv beeinträchtigen kann. Da eine Heilung derzeit nicht möglich ist, sollte eine angemessene Therapie möglichst frühzeitig begonnen werden, da der Verlauf günstig beeinflusst werden kann.

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