Fatigue Syndrom

Das Krankheitsbild Fatigue

Fatigue ist nicht nur eines der häufigsten, sondern zugleich auch eines der am stärksten belastenden Begleitsymptome bei der Therapie von Tumorerkrankungen. Mehr noch als unter Schmerzen leiden die Patienten unter der lähmenden Erschöpfung. Dennoch bleibt Fatigue häufig unerkannt bzw. wird nicht als solches erkannt und bleibt dadurch unbehandelt. Fatigue ist gekennzeichnet durch anhaltende körperliche und geistige Erschöpfungszustände, welche sich auch durch ausreichend Ruhe und Schlaf nicht verbessern lassen. Für gesunde Menschen ist dieser extreme Erschöpfungszustand kaum nachvollziehbar, was häufig zu zwischenmenschlichen Konflikten führt. Auch von Ärzten wird Fatigue häufig noch unterschätzt.

ICD10-Code: G93.3

Ursachen

Tumorbedingte Fatigue lässt sich nicht auf eine Ursache reduzieren, man spricht von einem multikausalen Geschehen.

Mögliche Ursachen von Fatigue sind:

  • Tumorerkrankung
  • Folgen der Therapie der Tumorerkrankung (OP, Strahlentherapie,
    Chemotherapie, Zytokine)
  • Hormonmangelerscheinungen (Schilddrüse, Nebenniere,
    Geschlechtshormone)
  • Begleiterkrankungen und Organschäden
  • Psychologische Auswirkungen (Angst, Depression, Stress)
  • Schlafstörungen
  • Mangelernährung
  • Chronische Infekte
  • Mangel an körperlichem Training (Muskelabbau)

Fatigue ist aber mehr als die Summe der genannten Ursachen. Sie ist ein vielschichtiges Leiden, das den Patienten während der Erkrankung und der Therapie stark einschränken und daran hindern kann, ein normales Leben zu führen.

Symptomatik

Leitsymptome des Fatigue-Syndroms sind Müdigkeit und Erschöpfung. Auch Leistungsschwäche und Depression sind typisch für das Beschwerdebild. Durch die physische Erschöpfung sind die Betroffenen unfähig, ihren gewohnten täglichen Aktivitäten nachzugehen. Durch die mentale Erschöpfung ist es ihnen kaum noch möglich, sich zu konzentrieren und klar zu denken. Emotional fehlen Antrieb und Kreativität. Als weitere Symptome können Kopfschmerzen und Benommenheit auftreten.

Im Gegensatz zur Erschöpfung nach einer körperlichen, geistigen oder seelischen Anstrengung bei Gesunden kann selbst eine Erholungsphase oder ausreichender Schlaf die Symptome nicht bessern. Schon bei geringen und sonst leicht zu bewältigenden Aufgaben fühlen sich die Patienten überfordert und schränken daher ihre Aktivitäten in Beruf und Privatleben immer stärker ein. Dadurch hat das Fatigue-Syndrom nicht nur einen großen Einfluss auf die Lebensqualität der Betroffenen, sondern auch eine deutliche soziale und wirtschaftliche Komponente.

 

Häufigkeit

Fatigue ist eine der häufigsten Begleiterscheinungen einer Tumorerkrankung. Während der Therapie leiden nahezu alle Krebspa­tienten zumindest zeitweise unter dem Erschöpfungssyndrom, das über Wochen und Monate anhalten kann. Für etwa ein Viertel der Patienten ist die tumorbedingte Fatigue sogar ein Langzeitproblem, das auch nach Abschluss der Therapie weiter anhält.

Tips zur Prävention und Linderung bei Fatigue 

Das Fatigue-Syndrom erfordert aufgrund seiner vielfältigen Ursachen einen multidisziplinären Linderungsansatz. Folgende potentielle Verbesserungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung:

  • Behandlung der Blutarmut (Transfusion oder Gabe von Erythropoetin zur Anregung der Produktion roter Blutkörperchen)
  • Behandlung von Hormonstörungen z.B. der Schilddrüse, der Nebennieren oder einer Zuckerkrankheit in Folge einer Kortisonbehandlung
  • Gezielte Ernährungstherapie bei Mangelernährung
  • Überprüfung von unerwünschten Wirkungen von Medikamenten (z.B. Müdigkeit durch Schmerzmittel)
  • Körperliches Training unter medizinischer Kontrolle – am besten schon mit Beginn der Krebsbehandlung –, das die Leistungsfähigkeit, das Gesamtbefinden und die Lebensqualität verbessert
  • Psychotherapeutische Hilfe
  • Ergänzung von Mikronährstoffen bei Mangelzuständen (z.B. A- L-Carnitin)

Fazit

Für viele Krebspatienten ist Fatigue das schwerwiegendste Problem der Krebsbehandlung und -therapie. Mehr als unter allen anderen Begleiterscheinungen leiden sie unter der chronischen Erschöpfung, die mit einer körperlichen Leistungsschwäche, Lust- und Antriebslosigkeit einhergeht.

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